Gegen Fahrraddiebe

Täglich werden rund 60 bis 70 Fahrräder in Österreich gestohlen. Weniger als fünf Prozent der Besitzer erhalten ihr Rad wieder. Viele Diebstähle lassen sich mit den richtigen Sicherheitsmaßnahmen jedoch vermeiden.

(kunid) Letztes Jahr wurden nach Angaben der Polizei über 23.200 Fahrräder in Österreich gestohlen, das sind rund 64 Räder pro Tag. Insbesondere in der Steiermark, in Wien und in Niederösterreich hat sich die Anzahl der Diebstähle im Vergleich zum Vorjahr deutlich erhöht. Die Aufklärungsrate bei den Diebstählen ist niedrig. Von 100 beklauten Fahrradbesitzern erhielten weniger als fünf ihr Eigentum wieder zurück.

Experten gehen davon aus, dass die Diebstahlrate sogar bis zu achtmal höher ist, als die Polizeistatistik besagt, da viele Delikte nicht polizeilich gemeldet werden. Besonders häufig werden Fahrräder in den Städten geklaut.

Während es 2011 in den Landeshauptstädten 13.982 von der Polizei registrierte Raddiebstähle gab, waren es im restlichen Österreich nur 9.245 entsprechende Delikte.

Beliebte Plätze von Langfingern

Beliebte Stellen für Raddiebe sind Bahnhöfe und größere Haltestellen des öffentlichen Verkehrs aber auch abgestellte Räder vor Universitäten, Freizeiteinrichtungen, Geschäften und Lokalen werden häufig entwendet. Wenn möglich, sollten solche Plätze gemieden oder zumindest ein gesicherter Abstellplatz benutzt werden.

Ein sicherer Abstellplatz wäre beispielsweise gegeben, wenn die Möglichkeit besteht, den Rahmen sowie das Vorder- oder Hinterrad mit einem Schloss gemeinsam anzusperren. Zudem sollte der Platz gut beleuchtet und einsehbar sein.

Abschließen reicht nicht immer

Grundsätzlich sollte das Fahrrad auch bei einem kurzen Stopp immer abgeschlossen werden, denn das vermindert das Diebstahlrisiko erheblich. Ein Großteil der Fahrraddiebstähle wird nach Angaben von Experten nämlich von Gelegenheitstätern begangen, die häufig nur Räder entwenden, die nicht oder nur wenig gesichert sind.

Wichtig ist, dass man das Rad nicht einfach abschließt, denn oft wird es dann beispielsweise weggetragen oder auf einen Autohänger geladen und weggefahren – und das Schloss später in Ruhe geknackt. Besser ist es, das Fahrrad an einen stabilen Gegenstand anzuketten beziehungsweise anzusperren, bei dem es beispielsweise nicht von oben herausgehoben werden kann.

So macht man es den Dieben schwer

Wer nur das Hinter- oder Vorderrad an einen Gegenstand sperrt, läuft Gefahr, dass der Dieb das Rad abmontiert und das restliche Fahrrad mitnimmt. Daher ist empfehlenswert, das Fahrrad am Rahmen anzusperren. Zudem ist es sinnvoll, dass zwischen dem Schloss, dem Fahrrad und dem Gegenstand, an dem es angeschlossen wird, möglichst wenig Platz bleibt, da so ein Aufstemmen des Schlosses verhindert werden kann.

Um es den Dieben schwer zu machen, sollte die Schlossöffnung nach unten gerichtet sein – ein einfaches Mittel gegen das oft von Langfingern ausgeübte Lockpicking, bei dem sie das Schloss mit einem Spezialwerkzeug öffnen.

Sichere Fahrradschlösser

Bei den Fahrradschlössern selbst gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede. Bügel-, ummantelte Ketten-, Falt- und andere Spezialschlösser sind nach Expertenmeinung sicherer als Spiralkabelschlösser oder günstige Nummern-, Rahmen- und dünne Kabelschlösser.

Einige Hersteller von Fahrradschlössern geben auf ihren Produkten Sicherheitsklassen an. Dabei gilt: Je höher die angegebene Klasse, desto besser ist die Diebstahlsicherheit.

Individuelle Codierung

Neben den genannten Sicherungen ist es auch empfehlenswert, sein Rad codieren und/oder registrieren zu lassen. Dies gilt insbesondere für hochwertigere Fahrräder. Zum einen ist es für Diebe schwerer, ein codiertes Fahrrad ohne Eigentumsnachweis zu verkaufen. Zum anderen sind die Chancen nach einem Diebstahl höher, dass der Besitzer ein aufgefundenes codiertes und/oder registriertes Rad wiederbekommt.

Bei der Codierung wird für jedes Fahrrad eine individuelle Ziffernfolge festgelegt und in den Rahmen eingraviert, sodass eine Entfernung nicht ohne Beschädigung des Rahmens möglich ist. Übrigens: Die Polizei bietet eine derartige Codierung kostenlos an.

Mit Zentraldatenbank zum gestohlenen Rad

In einigen Fällen ist ein Codieren durch Eingravieren nicht immer möglich. Zum Beispiel können Karbon- oder Leichtbauräder wegen ihrer Materialeigenschaften teils nicht graviert werden. Außerdem verwehren einige Fahrradhersteller die Garantie für das Rad, wenn der Radrahmen graviert wurde.

In diesen Fällen, aber auch als Zusatz zur Codierung, kann das Rad registriert werden. Dazu werden Rahmennummer, Marke, Modell, Farbe und weitere Details des Rades in einer zentralen Datenbank erfasst. In Österreich ist dies die Registrierungsdatenbank von fase24.at. Die Registrierung kann bei den diversen Registrierstellen, die unter www.fase24.at angegeben sind, zum Beispiel bei Fachhändlern, meist gegen einen einmaligen Unkostenbeitrag von acht Euro, erfolgen.

Finanzielle Absicherung

Zusätzliche Tipps und weitere Details rund um das Thema Fahrraddiebstahl bietet die neue Broschüre „Präventionsstrategien zum Fahrraddiebstahl“, die vor Kurzem vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) herausgebracht wurde. Die kostenlose 17-seitige Broschüre kann online als PDF-Datei heruntergeladen oder aber per E-Mail ( Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ) beim BMVIT angefordert werden.

Wer zumindest den finanziellen Schaden ersetzt haben möchte, wenn sein Fahrrad trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gestohlen wurde, sollte sein Rad entweder über die Haushaltsversicherung oder über spezielle Fahrradversicherungs-Polizzen absichern. Informationen dazu gibt es vom Versicherungsfachmann.